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Otto Riethmüller

Otto Riethmüller – Leben und Werk
„Es soll das Werk bei meinem Tode nur einen Namen unendlich preisen: Jesus Christus, der Sünder rettet und der mich Sünder gerettet hat.“ So lautet sein letzter Wunsch.

Am 19. November 1938 starb Otto Riethmüller, der Leiter des Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend Deutschlands.

Wer war dieser Mann, der es verstand, in einer Zeit des kirchlichen und politischen Umbruchs die Jugend für das Evangelium zu begeistern?

In Cannstadt am Neckar wurde Otto Riethmüller am 26. Februar 1889 geboren. Zusammen mit vier jüngeren Geschwistern wuchs er in einem harmonischen Elternhaus auf. Die religiöse Erziehung durch seine Eltern und der Besuch des Konfirmandenunterrichtes prägten sein weiteres Leben. Am humanistischen Gymnasium der Stadt konnten seine vielfältigen Begabungen reifen.

Er galt als guter Dichter, Musiker und Maler. In Glaubenskonflikte geriet er durch die kritische Theologie, die im Religionsuntericht gelehrt wurde. Trotzdem beschloss er, Theologie zu studieren. Im Herbst 1907 begann er das Studium an der Universität Tübingen. Es war für ihn zunächst nicht einfach, sich in den verschiedenen theologischen Richtungen zurechtzufinden. Auch die Fortschritte in den Naturwissenschaften stellten für die Theologie ein neues Problem dar. Unter dem Einfluss seines Lehrers Adolf Schlatter fand Otto Riethmüller seinen Weg.

Dringendste Aufgabe an der Jugend

1912 wurde er in der Stadtkirche in Cannstadt für den Dienst in der württembergischen Landeskirche ordiniert. Dann trat er in der Stiftskirchengemeinde in Stuttgart sein erstes Amt an. Ein Jahr später wurde er Pfarrverweser in Flein bei Heilbronn. Nach einem kurzen Stadtvikariat in Heilbronn führte ihn sein Weg nach Schöntal im Jagsttal. Dort arbeitete er auch am Evangelisch-Theologischen Seminar mit, einem Internat für 14-15jährige. Als 1914 der Krieg ausbrach, übernahm er auch mit Freude den Zeichen- und Singunterricht seiner einberufenen Kollegen.

Mit der Berufung an die Lutherkirche in Cannstadt ging eine schöne Zeit für ihn zu Ende. Wenig später wurde ihm das Pfarramt des Industrieortes Esslingen anvertraut, um in der kommunistisch geprägten Bürgerschaft eine lebendige Gemeinde aufzubauen. Dieses Ziel erreichte er, indem er sich zuerst an die Jugend wandte. Seit dieser Zeit stand ihm auch seine Lebensgefährtin Anne von Heider zur Seite, die ihm drei Kinder schenkte: Helmut, Werner und Veronika. 1928 erging an Otto Riethmüller der Ruf, die Leitung des großen Zusammenschlusses der evangelischen weiblichen Jugend in Deutschland zu übernehmen. Der Sitz dieses Verbandes war das Burckhardthaus in Berlin-Dahlem. Sein Gründer und Leiter von 1889 bis 1914 war Johannes Burckhardt. Sein Nachfolger wurde 1913 Wilhelm Thiele, der 1928 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Pfingsten 1928 wurde Otto Riethmüller in sein Amt eingeführt.

Er sah die dringendste Aufgabe der Kirche darin, der Jugend zu helfen. So appellierte er an seine Mitarbeiter: „Wir müssen die Botschaft so sagen können, dass es die heutige Jugend hört und fassen kann ... Der junge Mensch wird nur bereit sein, mit mir hinzuhorchen, wenn er es mit einem zu tun hat, der nicht auf alles schon eine fertige Antwort hat, sondern selber ergriffen vor dem Geheimnis der Botschaft steht.“ Um die Jugend zu erreichen, setzte er auch alle ihm zur Verfügung stehenden künstlerischen Mittel ein. Seit 1930 gab er regelmäßig die Jahreslosung heraus, hielt Sprechchorfeiern ab und veranstaltete ab 1935 Jahresrüsten. „Ein neues Lied“ war der Titel seines Liederbuches von 1932.

Eine schwierige Zeit

Otto Riethmüllers Arbeit wurde durch das Aufkommen des Nationalsozialismus stark beeinträchtigt. Als Vertreter der christlichen Jugend in der Jugendkammer konnte auch er es nicht verhindern, dass Weihnachten 1933 die Jugendlichen des Evangelischen Jugendwerkes in die Hitlerjugend übernommen wurden. Aber gerade in den Jahren nach 1934 gelang es ihm in besonderer Weise, der Jugend, die sich zum Evangelium bekannte, Gottes Wort in der Bibel aufzuschließen und lieb zu machen. Im Jahr 1935 berief die Bekennende Kirche eine eigene Jugendkammer, deren Vorsitzender Otto Riethmüller wurde.

Die Auseinandersetzung zwischen dem „positiven Christentum“ des Dritten Reiches und den Kirchen spitzte sich 1936 immer mehr zu. Es kostete Otto Riethmüller viel Kraft, seinen Standpunkt kompromißlos zu vertreten. So war es für ihn eine willkommene Entspannung, als sich die Gelegenheit bot, an einer Fahrt ins Heilige Land teilzunehmen. Die Reise war für ihn als Theologe und Kunstfreund ein besonderes Erlebnis.

1938, in seinem 50. Lebensjahr, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, so daß er seine Pflichten nur mühsam bewältigen konnte. Wiederholte Krankheiten und auch eine Operation schwächten ihn sehr. Am Konfirmationssonntag seiner Söhne stand Otto Riethmüller zum letzten Mal auf der Kanzel. Danach trat er einen dringenden Erholungsurlaub in Italien an. Kurz nach seiner Heimkehr machte sich ein Gallenübel bemerkbar. Eine Kur in Bad Mergentheim und am Bodensee brachten nicht den gewünschten Erfolg. So wurde eine schwere Operation für ihn unumgänglich.

„... ich habe die Welt überwunden“ Am Morgen des 19. November, drei Monate vor seinem 50. Geburtstag, starb Otto Riethmüller im Elisabeth-Krankenhaus in Berlin. Er wurde auf dem „Uffkirchhof“ in Bad Cannstadt beerdigt. Seine Grabstätte ziert eine mächtige Erdkugel aus Marmor, aus der sich ein schlankes lateinisches Kreuz erhebt. Dieses Symbol hat Otto Riethmüller geschaffen und verbunden mit dem Jesuswort: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Johannes 16,33). Die Kugel mit Kreuz ist bis heute das Symbol der Evangelischen Gemeindejugend.

Otto Riethmüllers gute Erfahrungen mit einer Jugendarbeit, die klar ausgerichtet ist auf Bibel und Gemeinde, wirkte auch nach 1945 weiter. So kam es 1953 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft "Evangelische Gemeindejugend der Pfalz". Die Vereinsgründung erfolgte 1963 im Zusammenhang mit dem Bau einer Freizeit- und Bildungsstätte in Weidenthal, sie trägt den Namen Otto Riethmüllers. Die Evangelische Gemeindejugend der Pfalz hat sich damit zur Aufgabe gestellt, Jugendlichen aus unserer Kirche eine Stätte der Begegnung und des Gedankenaustausches zu bieten. Aus diesem Gedanken heraus veranstaltet sie Mitarbeiterschulungen, Seminare und Freizeiten für Kinder und Jugendliche.